Ein Jahr in Butjadingen

So wie überall in Deutschland gibt es auch hier eine landestypische Begrüßung.
Bei uns heißt es "Moin" (wer mit "Moin Moin" kommt, wird als "Schwätzer" links liegen gelassen!) und mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen diese Grußformel ausgesprochen, ist man auf dem richtigen Wege. Das hat natürlich nichts mit dem "Guten Morgen" zu tun, auch wenn man es morgens, mittags, abends und in der Nacht sagt. Denn ausgeschlafen sind wir schon lange.

Ein Jahr in Butjadingen, querbeet

Schauen wir mal in den Frühling...

Langsam hebt sich der Nebel und gibt den Blick frei auf eine weite Landschaft, die gerade beginnt, neu aufzuleben. Die ersten Bäume schlagen aus, die weiten Wiesen beleben sich mit frischem Gras und die ersten zaghaften Blüten junger Kräuter geben mit ihren bunten Tupfern dem Bild ihren Pfiff. Hier und da liegen die letzten Häufchen schmutzigen Schnees, der in der immer kräftiger werdenden Sonne dahinschmilzt und schließlich nur noch mit einen grauen Ring an die vergangenen Wochen erinnert. Schließlich ist auch er verschwunden und nichts erinnert mehr an die naßen, kalten, dunklen Tage. So wie überall die Natur zu neuem Leben erwacht und alles grünt, wächst und gedeit, so wachsen auch seltsam anmutende Gebilde auf den weiten Fluren. Bei genauerem Hinschauen entpuppen sie sich als teilweise gigantische Bauwerke aus altem Strauchwerk, Ästen und ganzen Bäumen, die während des letzten Winters zu Bruch gingen. Ah ja, es geht auf Ostern zu und somit werden die Osterfeuer vorbereitet, die seit Generationen jedes Jahr aufs neue entzündet werden. Während noch die letzten Aschehäufchen verteilt werden, um als Dünger dem Boden zu dienen, stehen die Bäume in voller Blüte und übermütig galoppieren die Kühe nach der langen Zeit im Stall auf die Wiesen. (Ja, so wird Schlagsahne hergestellt!)

und der Sommer erst

Die Pensionen, Hotels und Ferienwohnungen füllen sich in rasantem Tempo und wer zu spät kommt, hat das Nachsehen. Schnell ist alles ausgebucht und wenn die Sonne erst so richtig loslegt, steht man sogar am Strand Schlange. Die besten Plätze sind lange weg und man muß sich schon etwas besonderes einfallen lassen, um ein Plätzchen am Wasser zu bekommen. Ich sagte am Wasser, nicht darin ...! Naja, da hat wieder wer nicht richtig zugehört. Aber weiter ... Die Eisdielen stöhnen unter der Wucht der anprallenden Menschen, die sich nach Abkühlung am Stiel sehnen und die Getränkeshops können nicht schnell genug nachbestellen ... So liegt Mann / Frau in der Sonne, döst vor sich hin und genießt die leichte Brise, die sanft von See her über die erholungsbedürftigen Knochen streift. Wie angenehm ...
Aber Vorsicht! Auch hier kann man sich gehörig den Pelz verbrennen und die schöne Bescherung merkt man dann am Abend, wenn man sich in der Kühle das T-shirt überstreift, autsch!

naja, der Herbst

Wie überall fällt auch bei uns das Laub von den Bäumen, was nicht immer nur schön bunt ist. Nebel macht den Landstrich grau und trist; dennoch gibt es viel nettes zu erkunden. Wer nicht gerade auf einen Strandspaziergang durch feuchte Wiesen aus ist, trifft sich zum allseits beliebten und wohligen Tee; entweder privat mit Freunden oder in einer der vielen Teestuben. Zum Teetrinken ist es eigentlich nie zu früh oder zu spät. Natürlich kann man immer eines der vielen Museen oder eine Kunstscheune besuchen. Kino, Theater, Schwimmbad; es ist alles möglich, was auch außerhalb Butjadingens möglich ist.

Im Winter

gibt es in Butjadingen eigentlich nicht mehr viel zu sehen. Die Kühe und Deichschafe sind (mit Ausnahme der winterfesten) in ihren Ställen verschwunden. Es wird spät hell und früh dunkel und wenn nicht gerade Schnee liegt und die Sonne darauf scheint, hat man, soweit das Auge reicht, eine öde und triste Landschaft. Öde und trist? Moment, das stimmt nicht ganz, denn gerade dringt fröhliches Stimmengewirr und ein polterndes Geräusch an die Ohren. Einen Blick über die Landschaft schweifen lassend erkennt man auch schon die Quelle. Eine bunte Truppe lustiger Menschen jeden Alters ist mit ihrem Lieblingsspiel, dem Boßeln und Klootschießen, beschäftigt. Wer nicht gerade am Wurf ist, ergötzt sich an einem Labsal aus den Vorräten des mitgeführten Bollerwagens oder amüsiert sich gemeinsam mit den Kameraden seines Teams an dem völlig verunglückten Wurf des Gegners, der nun die Kugel aus einem gut gefüllten Schlot (Graben) angeln muß. Auch das Struckbessenschmietn (Strauchbesenwerfen) wird jetzt mehr als das ganze Jahr über gespielt. Schließlich gibt es gleich lecker Grünkohl mit Pinkel und den muß man sich ja erst einmal verdienen.